Biologisch-Dynamische Landwirtschaft

Über Kühe mit Hörnern, Kartoffeln und andere Nachtschattengewächse – und was die Bienen mit unserem Denken zu tun haben.

Biologisch-dynamische Landwirtschaft ist mehr als «Bio», ist mehr als Weglassen von künstlichem Dünger und chemischem Pflanzenschutz. Sie ist ein Impuls gegen die Degeneration von Kulturgütern und ein Kulturimpuls für einen würdigen Umgang mit Erde, Tier und Mensch. Seit 90 Jahren. Nachhaltig!

1924 überraschte Rudolf Steiner die Tagungsteilnehmer auf Gut Koberwitz* mit unerwarteten Gedanken zur Zukunft landwirtschaftlicher Betriebe und ungewöhnlichen Hinweisen, wie das "Land neu bestellt" werden könnte. Ein Betrieb sollte das, was er benötigt, ganz aus sich selbst heraus hervorbringen. Ein revolutionärer Ansatz für die damalige Zeit.

Heute wissen wir, dass Schmetterlingsblütler genügend Stickstoff aus der Luft binden können, und dass Pflanzen mit aktiver Nährstoffmobilisierung die Mineralien des Unterbodens erschließen, wenn man sie lässt und im Züchtungsprozess darauf hinlenkt - und nicht durch Düngerangebot davon ablenkt. Auch das Einbeziehen kosmischer Kräfte wie Sonnenlicht und Mondrhythmen findet heute, nicht nur aufgrund alter Weisheiten aus Bauernkalendern, wieder verstärkt Eingang in die landwirtschaftliche Praxis. So ist z.B. "Mondholz" ein gängiger Begriff, der auf das Schlagen von Bäumen bei abnehmendem Mond hinweist. Aber auch Sä-Zeitpunkte unterliegen Mondphasen und weiteren kosmischen Einflüssen. Auf diese Zusammenhänge lenkte Rudolf Steiner – als Replik auf die sich Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelnde Agrarchemie - mit neuen Gesichtspunkten die Aufmerksamkeit. Die Gründung und Organisation eines Betriebs nach organischen Gesetzmäßigkeiten beinhaltet in sich schon einen entwicklungsorientierten Ansatz und fordert zudem auch eine Neuordnung sozialer Strukturen. 


Und wenn Tiere, vor allem Wiederkäuer, mit auf einem Hof vorhanden sind, dann führen Futter-Mistkreisläufe zu einer Verbesserung der Boden- und damit nicht zuletzt auch der Lebensmittelqualität. So eine Landwirtschaft werde Erzeugnisse hervorbringen, die für den Menschen die "allergedeihlichsten" sind, motivierte Steiner die Zuhörer, welche sich vorgenommen hatten, "neue" Landwirte zu werden.
Dieser landwirtschaftliche Impuls wurde erstaunlich schnell von der Theorie in die Praxis umgesetzt. Zunächst waren es mehr die Gutsbetriebe, die umstellten. Die beiden Weltkriege verhinderten jedoch zunächst eine weitere Ausbreitung bzw. verunmöglichten die bereits bestehenden Initativen. Westlich des "Eisernen Vorhangs" entstanden dann nach und nach immer mehr Betriebe, erst langsam und in kleiner strukturierten Verhältnissen, dann, mit dem aufkeimendem Ökologie-Bewußtsein, schneller und großflächiger. Aus diesen Anfängen ist zusehends eine globale Bewegung geworden.

Heute wirtschaften weltweit rund 4.800 Betriebe auf 150.000 Hektar nach der so genannten biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise mit dem Warenzeichen Demeter.

Diese Landwirtschaftmethode gilt heute als eine der nachhaltigsten und zukunftsweisendsten. Der Einbezug anderer als nur materieller Gesichtspunkte beweist sich in der Lebenspraxis seit 90 Jahren mehr als fruchtbar.

 

* Zu Pfingsten 1924 fand in Polen auf Schloss Koberwitz nahe Breslau der sogenannte "Landwirtschaftliche Kurs" statt. Graf von Keyserlingk hatte Rudolf Steiner hierzu auf sein grosses landwirtschaftliches Gut eingeladen. Vom 7. bis 16. Juni 1924 kamen rund 300 Menschen zusammen, um sich über die Zukunft der Landwirtschafts- und Ernährungsfrage zu beraten.